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BAYLE,P., Dictionnaire historique et critique. 06.A. 4 Bde. Basel 1741

Bayle, Dictionnaire. 6.A. 4 Bde. Basel 1741. Titelblatt
Bayle, Dictionnaire historique et critique. 6.A. 4 Bde. Basel 1741
Porträt Pierre Bayles

BAYLE, Pierre,

Dictionnaire historique et critique. Sixieme Edition, revue, corrigee, et augmentee. Avec la vie de l’Auteur, par Mr. des Maizeaux. 6me. Ed. 4 Bde. Basel, chez Jean Louis Brandmuller, 1741.

Fol. (I:) Tb. (in allen Bdn. in Rot-Schwarz-Druck), CXVI, 719 S.; (II:) Tb., 915 S.; (III:) Tb., 831 S.; (IV:) Tb., 804 S. Mit 4 gestochenen Titelvignetten. Zeitgenössische Halbpergamentbände mit Buntpapierbezug. (Rückentitelschilder erneuert, Ebde. stellenw. etw. ausgebessert).

Ein Monument der Frühaufklärung, “die schönste und lang ersehnte Ausgabe dieses Wörterbuchs” (Brunet)! Die vorliegende Auflage mit dem von Seiten des Verlags fehlerhaften Titelblatt in Band 2, handschriftlich korrigiert! Schreibweise von “Dictionnaire” hier erstmals mit doppeltem “n”. – Bayle (1647-1706), Sohn eines hugenottischen Predigers, gilt – neben dem zehn Jahre jüngeren Fontenelle – als die zentrale Figur der französischen Frühaufklärung. Aufgrund der Hugenottenverfolgungen – mit ihrem Höhepunkt in der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes im Jahre 1685 durch Ludwig XIV. – ging Bayle nach Rotterdam, wo er einen Ruf als Professor der Philosophie und Geschichte annahm. Er wurde mit seinen Schriften, insbesondere den “Nouvelles de la République des Lettres”, die er von 1684 bis 1687 herausgab und für den Drucker Henri Desbordes redigierte, zu einem Bezugspunkt für die emigrierte französische Gemeinde der Hugenotten, die sich über ganz Europa verstreut hatte. Das “Dictionnaire”, zunächst in zwei Bänden erschienen, wurde vom holländischen Verleger Reinier Leers bestellt und sollte für den Verleger eine modernisierte Version von Louis Moréris “Grand Dictionaire historique” (zuerst 1674) werden, eines Namens- und Personenlexikons. Bayle schuf aber stattdessen ein Dictionnaire neuen Typs, eben das “Dictionnaire historique et critique”, wobei die kritische Sichtung des Wissens die Hauptrolle übernahm. Das dargelegte Wissen wird kritisch hinterfragt, verschiedene Standpunkte werden dargelegt und sollen die Leser zum ständigen Hinterfragen animieren. Das Lexikon lehrt das skeptische Argumentieren, Fakten sollen nicht unkritisch serviert und konsumiert, sondern problematisiert werden. Damit wird Bayle zum “eigentlichen Schöpfer der historischen Akribie” (Ernst Cassirer), worin sein Hauptverdienst für die Entwicklung des aufgeklärten Denkens besteht. Friedrich II. von Preußen schätzte Bayle – wie viele seiner Zeitgenossen – über alle Maßen und bewahrte zahlreiche Auflagen in seiner Bibliothek auf. Es ergibt sich aus Bayles philosophischem Zugang beinahe zwangsläufig, dass sich der große Frühaufklärer bis an sein Lebensende im Jahre 1706 in seinem Exil in Rotterdam zahlreicher Angriffe erwehren musste, insbesondere von theologischer Seite aller Konfessionen. Erst nach Bayles Tod wurde seine überragende Bedeutung im stets wachsenden Strom seiner Bewunderer gewürdigt. Bayles Lexikon, sein wichtigstes Werk, zuerst im Jahre 1697 in Rotterdam erschienen, erlebte bis 1760 mehr als 10 Auflagen. Die Erstausgabe des berühmten „Dictionaire“ erschien zuerst im Jahre 1697 in 2 Bänden in Rotterdam beim Verleger Reinier Leers, die zweite Ausgabe ebenda im Jahre 1702, aber bereits 3-bändig. Das Werk wurde nach Erscheinen in zahlreichen Ländern sofort von den Zensurbehörden verboten. Bei der dritten Ausgabe handelt es sich um die erste postume Ausgabe. Sie erschien im Jahre 1715, 9 Jahre nach Bayles Tod im Jahre 1706, wieder bei Leers in Rotterdam in 3 Bänden. Der Verleger Bohm, ebenfalls aus Rotterdam, unterzog die dritte Ausgabe einer Revision, offenbar noch anhand überkommener Unterlagen Bayles und veröffentlichte es – trotzdem – erneut als dritte Ausgabe, als „troisieme Edition, revue, corrigée, et augmentée par l’auteur“, jetzt erstmals in 4 Bänden! Eine erste deutsche Ausgabe erschien erst in den Jahren 1741 bis 1744 als “Peter Baylens historisches und kritisches Wörterbuch” unter der Herausgeberschaft Johann Christoph Gottscheds.

Bayle schuf keine Enzyklopädie im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Art ‚Anti-Enzyklopädie’. „Jeder Meinung gesellt er sofort eine Gegenmeinung bei, um dem Benutzer selbständiges Denken abzunötigen. Die Pradoxien, die er in seinen Fussnoten erzeugt, führen mitunter freilich in die Nähe einer bodenlosten Skepsis“ (Paul Michel im Unimagazin der Universität Zürich, 4/1998). Das Zusammenbringen von Stichworten, Erläuterungen und Definitionen, von Thesen und Gegenthesen, alle mit Quellen belegt, erforderte für das ‚Dictionaire’ einen eigenen, recht komplexen Satzspiegel, mit zahlreichen Querverweisen und Fussnoten. Der außergewöhnliche Satzspiegel wird der quellenkritischen Herangehensweise Bayles gerecht. Es ist diese neue Herangehensweise und die damit verbundene kritische Sichtung des historischen, philosophischen und theologischen Wissens seiner Zeit, die das Werk zur ‚Rüstkammer der Aufklärung’ (Wilhelm Dilthey) werden ließ, von Voltaire ebenso hochgeschätzt wie von Friedrich dem Großen. – Vgl. Brunet I, 711 (″Edition la plus belle et qui a ete longtemps la plus recherche de ce dictionnaire”); Zischka 7; Graesse I, 314; PMM 155 b. u. 300.

Order Number: 23245AB

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