SONNENFELS,J.v., Über die Stimmenmehrheit bey Kriminal-Urtheilen 02.A. Wien 1808
Über die Stimmenmehrheit bey Kriminal-Urtheilen. Zweyte sorgfältig übersehene, durch zahlreiche Erörterungen, wie auch durch Aufnahme und Beantwortung der erschienenen Beurtheilungen und Einwürfe vermehrte Auflage. 2., verm. Aufl. Wien, in der Camesinaischen Buchhandlung, 1808.
8vo. XXXII, 302 S. Zeitgenössischer Pappband mit Buntpapierbezug und geprägtem Rückentitelschild. (stellenw. stärker stockfl., sonst guter Zustand).
Die Frage nach den Bedingungen rechtskräftiger Urteile für schwere Strafen! – Sonnenfels war ein enger Berater der habsburgischen Herrscher (Maria Theresia, Joseph II.) und maßgeblich an der Abschaffung der Folter (1776) sowie an der Einschränkung der Todesstrafe in Österreich beteiligt. Seine theoretischen Überlegungen zur Stimmenmehrheit flossen direkt in die Gestaltung des modernen, rechtsstaatlichen Strafprozessrechts im 19. Jahrhundert ein. In der vorliegenden Schrift befasste sich Sonnenfels mit einer zentralen Frage des Strafprozessrechts der Aufklärung: wie muss das Stimmenverhältnis unter Richtern beschaffen sein, um ein rechtskräftiges Todesurteil oder eine schwere Kriminalstrafe zu verhängen? Sonnenfels argumentierte vehement gegen die Praxis, folgenschwere Urteile mit einer einfachen, knappen Stimmenmehrheit zu fällen. Er vertrat die Ansicht, dass bei einer knappen Mehrheit begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten fortbestehen. Nach dem Prinzip ‚in dubio pro reo‘ forderte er qualifizierte Mehrheiten oder Einstimmigkeit, um Justizirrtümer, insbesondere die unumkehrbare Todesstrafe, zu verhindern. – Die Erstausgabe erschien 1801 ebenfalls in Wien.
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